Warum keine Testpressung erforderlich ist
Bei der Herstellung von Schallplatten gibt es unterschiedliche Wege, das Ausgangsmaterial – also die fertige Tonaufnahme – in ein Presswerkzeug zu übertragen. Traditionell wird hierfür ein Lackmaster geschnitten, während beim DMM-Verfahren direkt in eine Kupferplatte geschnitten wird. Dieser technische Unterschied ist ausschlaggebend dafür, dass beim DMM keine klassische Testpressung notwendig ist.
- Unterschiede im Schneideverfahren
- Lackschnitt:
Hier wird zunächst eine weiche Lackfolie geschnitten. Diese Folie ist sehr empfindlich gegenüber Temperatur, Staub und mechanischen Einflüssen. Aus ihr werden dann über mehrere galvanische Schritte die sogenannten Stamper (Presswerkzeuge) hergestellt. Jeder dieser Schritte kann theoretisch Fehler einführen (z. B. Rillenverzug, Blasen, Rauschen). Deshalb ist eine Testpressung sinnvoll, um mögliche Probleme hörbar zu prüfen, bevor in Serie produziert wird. - DMM (Direct Metal Mastering):
Statt einer weichen Lackfolie wird eine massive Kupferplatte verwendet. Der Schneidestichel graviert die Musikrillen direkt und präzise in das Metall. Das Material ist stabil, reagiert kaum auf Umwelteinflüsse und benötigt weniger galvanische Zwischenschritte. Dadurch entfallen viele mögliche Fehlerquellen, die beim Lackschnitt auftreten können.
- Elektronische Werkzeugprüfung
Ein zentraler Vorteil des DMM-Verfahrens ist, dass das fertige Kupfer-Master elektronisch vermessen wird. Dabei werden Parameter wie:
- Rillentiefe
- Rillenbreite
- Überschneidungen
- Abspielbarkeit
präzise überprüft. Fehler, die bei einer Testpressung akustisch auffallen würden, lassen sich auf diesem Weg schon im Vorfeld eindeutig identifizieren.
- Verantwortlichkeit des Presswerks
Während beim Lackschnitt der Kunde oder das Masteringstudio oft eine Testpressung bestellt, um die Qualität zu verifizieren, liegt beim DMM die Prüfpflicht beim Presswerk. Das bedeutet: Das Presswerk ist verpflichtet, das hergestellte Werkzeug (Kupfer-Master bzw. die daraus gefertigten Stamper) zu kontrollieren, bevor die eigentliche Serienproduktion beginnt.
- Vorteile für die Produktion
- Schnellere Durchlaufzeiten, da keine Testpressung bestellt, hergestellt und freigegeben werden muss.
- Geringere Kosten, da der zusätzliche Produktionsschritt entfällt.
- Konstante Qualität, da die elektronische Messung objektiver und genauer ist als eine rein subjektive Hörkontrolle.
Zusammenfassung:
Beim DMM-Verfahren ist keine Testpressung erforderlich, weil die Qualität des Schneidwerkzeugs bereits elektronisch überprüft wird und keine fehleranfälligen Zwischenschritte wie beim Lackschnitt existieren. Die Verantwortung für die Prüfung liegt beim Presswerk, wodurch der Kunde ohne Umweg direkt in die Serienproduktion gehen kann.